Plasmaschneiden

Das Durchtrennen von Material mit dem Plasmaschneider macht dort Sinn, wo größere Materialstärken oder sehr harte Materialien gegeben sind und komplexere Schnitte durchgeführt werden sollen bei gleichzeitig keinen oder nur geringen Verzug mit geringer Wärmeeinwirkung. Auf den den ersten Blick sieht ein handgeführter Plasmaschneider ähnlich aus wie ein Schweißgerät. Auch hier gibt es einen Brenner mit Schlauchpaket und eine Masseverbindung zum Werkstück. Die Unterschiede werden im Innenleben und logischerweise in der Funktion sichtbar: Zunächst fällt der noch größere Netzanschluss in Form eines 32 A Drehstromanschlusses und der Druckluftanschluss auf. Das Innenleben des Brenners besteht hier aus einer Wolframelektrode, welche von einer gut leitenden Kupferdüse mit einer sehr kleinen mittigen Bohrung verdeckt wird. Zum Schneiden wird ein Plasma zwischen Elektrode und Werkstück erzeugt, welches durch die Druckluft und die enge Düse einen „scharfen Strahl“ bildet. Das Plasma ist ein elektrisch Leitfähiges Gas mit einer Temperatur von etwa 30000 °C. Normaler Stahl schmilzt also in Sekundenbruchteilen und wird durch den starken Luftdruck quasi weggeblasen. Wie bereits oben erwähnt ist der große Vorteil zu den Schnitten einem klassischen Schneidbrenner, dass trotz der unglaublichen Temperatur des Plasmas nicht viel Wärme in das Material gelangt und man so kaum Probleme mit Verzug und anderen unerwünschten Nebeneffekten hat.
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Ich habe auch den Plasmaschneider nach einer ausführlichen Einführung selbst testen können und Flachstahl abgetrennt. Zunächst wird ähnlich wie beim Schutzgasschweißen die Masseklemme angebracht und der passende Strom zur gegebenen Materialdicke am Gerät eingestellt, sowie die Druck der Schneid- und der Kühlluft kontrolliert und ggf. Wasser- und Ölabscheider gelehrt. Der montierte Brenner bietet als Sonderfunktion eine Art Vorzündung, um einen noch sauberen Anfang des Schnitts zu ermöglichen. In diesem Fall wird mit einem Sicherheitsschalter der Brenner neben dem Werkstück vorgezündet. Mit sieht hier einen kurzen, dünnen blauen Strahl aus der Düse austreten. Nun sollte man den Brenner innerhalb von ein paar Sekunden an den Anfang des Schnittes heranführen. Das Gerät registriert dies und man merkt, wie der Hauptlichtbogen das Plasma zündet. Anschließend sollte man möglichst gleichmäßig den Brenner an der zuvor markierten Linie entlangführen. Mit ein bisschen Übung hört man das optimale Tempo anhand des „Blasgeräusches“ im entstehenden Schnitt. Wenn man vorher die Kraft des Plasmastrahles gesehen hat, ist es wirklich unglaublich, dass man kurz nach dem Schnitt die Teile mit der bloßen Hand berühren kann, ohne sich zu verbrennen. Der weitere große Vorteil des Plasmaschneidens liegt außerdem in der möglichen Verarbeitungsvielfalt:
Plasmaschneidbar ist fast jedes Metall, wo hingegen das Verfahren des klassischen Brennschneidens auf normalen Baustahl beschränkt ist.

plasmaschneiden2Mein kleiner Schnittversuch war erfolgreich, wenn auch ziemlich unsauber. Die freihändige Führung wird vor allem durch das relativ schwere und sperrige Schlauchpaket hinten am Brenner mächtig erschwert. Aus diesem Grund gibt es für Bögen, Kreise und gerade Schnitte Führungen, die sich auf dem Werkstück befestigen lassen und den Brennerkopf umschließen. Hier kann man sich dann voll und ganz auf die Bewegungsgeschwindigkeit des Brenners konzentrieren und muss nicht darauf achten, auf der gewünschten Schnittlinie zu bleiben. An der Plasmaschneidanlage kann außerdem ein Maschinenbrenner montiert werden, welcher sich an einem CNC-Tisch einsetzen lässt. In dem Aufbau lassen sich Computergesteuert noch präzisere Schnitte ausführen, als per Hand jemals möglich wäre.

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